Bischof Dr. Joachim Wanke


Bischof Dr. Joachim Wanke wurde am 8. Juli 1994 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof des neugegründeten Bistums Erfurt ernannt. Zuvor war er seit Januar 1981 Bischof und Apostolischer Administrator in Erfurt und Meiningen. 

Joachim Wanke kam am 4. Mai 1941 in Breslau / Schlesien als Sohn eines Beamten zur Welt. Nach der Vertreibung aus der angestammten Heimat kam die Mutter mit ihren drei Kindern (der Vater war 1944 verstorben) in der thüringischen Stadt Ilmenau unter. Hier verlebte Joachim Wanke seine Kindheit und Jugendzeit. Nach dem Abitur und einem kirchlichen Sprachenkurs in Halle schloß sich ab 1960 das Theologiestudium am Philosopisch-Theologischen Studium in Erfurt an. Es waren vor allem seine Mutter, die heute hochbetagt mit ihm im Bischofshaus am Herrmannsplatz lebt, und das Vorbild des Pfarrers von Ilmenau, Anton Goeb, die in ihm die Liebe zum Priesterberuf weckten. 

Am 26. Juni 1966 empfing er von seinem Amtsvorgänger, Bischof Hugo Aufderbeck, im Mariendom zu Erfurt die Priesterweihe. Die erste Vikarsstelle war die Pfarrei St. Gertrud in Dingelstädt im katholisch geprägten Eichsfeld - für den Neupriester Joachim Wanke eine völlig neue Erfahrung, nachdem er in seiner Jugend die Probleme, aber auch die Herausforderungen der Diaspora kennengelernt hatte. 

Nach drei Jahren in der Gemeindeseelsorge erhielt er 1969 die Berufung als Assistent und Präfekt am Priesterseminar Erfurt. Es folgten die Promotion und Habilitation, im Jahr 1974 der Lehrauftrag für neutestamentliche Exegese und 1980 die Berufung als ordentlicher Professor für neutestamentliche Exegese am Studium in Erfurt. Nach der Berufung des damaligen Erfurter Weihbischofs Dr. Joachim Meisner zum Bischof von Berlin wurde Professor Dr. Wanke am 6. Oktober 1980 durch Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof in Erfurt mit dem Recht der Nachfolge ernannt. 

Am 26. November 1980 empfing er im Alter von 39 Jahren durch Bischof Dr. Joachim Meisner die Bischofsweihe. Nach dem Tod von Bischof Hugo Aufderbeck, am 17. Januar 1981, trat er dessen Nachfolge an. Bis zur Bistumserhebung leitete Bischof Wanke den Jurisdiktionsbereich Erfurt-Meiningen als Apostolischer Administrator mit allen Rechten und Pflichten eines residierenden Bischofs" in unmittelbarem Auftrag des Papstes. Im Jahr 1985 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden der damaligen Berliner Bischofskonferenz gewählt. 

Bischof Wanke gilt als Mann der Seelsorge, der sich seiner gesellschaftlichen Umwelt zugehörig fühlt. Das Leben in Thüringen und - zu DDR-Zeiten - in einer atheistisch und sozialistisch geprägten Umwelt betrachtete er niemals als unvermeidbares Übel. Wiederholt äußerte er: Dieses Land ist nicht mein Los, sondern es ist meine Heimat. In diesem gesellschaftlichen Umfeld habe ich meine geistige und religiöse Entwicklung erfahren. Um dieses Landes und seiner Entwicklung willen wollen wir einen Weg suchen, um das Evangelium Jesu Christi auf mitteldeutsch zu buchstabieren." 

Realistisch schätzte Bischof Wanke bereits zu Beginn seines bischöflichen Wirkens die säkularisierte, materialistische Umwelt ein: Wir haben damit zu rechnen, daß die Adressaten unserer Verkündigung so ratlos vor unseren Forderungen stehen, wie Höhlenbewohner, denen wir Sonnenbrillen verkaufen wollen." 

Auch wenn Bischof Wanke unter Hinweis auf den Verlust bestimmter religiöser Bräuche vom Ende der christentümlichen Gesellschaft" spricht, liegt seinen analytischen Reflexionen stets eine pastorale Frage zugrunde: Wie kann der bleibende Auftrag der Kirchen den Menschen den Ewigkeitshorizont eröffnen, in dem dann gewandelte gesellschaftliche Verhältnisse angemessen wahrgenommen werden können? 

Gelebte und bezeugte Verbundenheit der christlichen Kirchen war für Bischof Wanke immer ein Herzensanliegen. Bedingt durch die Diasporasituation und die politischen Verhältnisse in Mitteldeutschland bis 1989 ist in der Stadt Erfurt und im Land Thüringen zwischen der evangelischen und katholischen Kirche ein geschwisterliches Miteinander gewachsen. Nach Bischof Wanke versteht sich die katholische Ortskirche in Thüringen immer im ökumenischen Miteinander, denn beide Kirchen haben vom Evangelium her die gleiche Aufgabe, nämlich: den Menschen die Botschaft Christi in Wort und Tat zu bezeugen. 

Bischof Wanke ist seit 1978 Mitglied der Studiorem Novi Testamenti Societas (SNTS). Weiterhin ist er Mitglied der Kommission für Fragen der Ökumene sowie Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz. von 1995 bis 2001 war er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland.