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Paul Latussek, Thüringer
Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen (BdV), steht seit Jahren als
politischer Rechtsaußen in der Kritik. Der promovierte Ingenieur wurde zur
Wendezeit in der Politik aktiv. Als Abgeordneter der letzten DDR-Volkskammer
setzte er sich 1990 für eine schnelle Einigung der beiden deutschen Staaten
ein. Bei der Abstimmung zur Oder-Neiße-Grenze stimmte er gegen den
Grenzvertrag. Latussek engagierte sich in der Deutschen Sozialen Union (DSU) in
Ostdeutschland und war mehrere Jahre Thüringer DSU- Landesvorsitzender. Seit
1990 ist er Landeschef des BdV.
Der 65-Jährige wurde im früheren Gleiwitz in Oberschlesien (heute Polen)
geboren. Mit seiner Familie kam er 1945 nach Sachsen, wo er nach Abschluss der
Schulausbildung eine Lehre als Elektromaschinenbauer machte. Latussek studierte
an der Technischen Hochschule Ilmenau und an der Technischen Universität
Dresden. In Ilmenau wurde er 1980 zum Dozenten berufen, nachdem er dort auch
habilitiert hatte. 1999 wurde das Arbeitsverhältnis beendet. Nach öffentlicher
Kritik kündigte die Technische Universität im November 2001 einen
Honorarvertrag mit Latussek.
Seit 1992 gehört er dem BdV-Präsidium als Vizepräsident oder Präsidialmitglied
an. Im Jahr 2000 provozierte Latussek einen Eklat, weil er sich nicht von
einem Flugblatt distanzierte, das nach dem Empfinden von Abgeordneten einen
"deutschtümelnden und geschichtsverfälschenden" Inhalt hatte.
Bundesweit sorgte der Vertriebenenfunktionär für Empörung, als er am 9.
November im Zusammenhang mit der Opferzahl im Konzentrationslager Auschwitz von
Lügen sprach. (Quelle: dpa)
Die Chronologie 09.11.2001
Latussek hält auf einer Verbandtagung des Thüringer BdV in Arnstadt eine Rede,
in der er im Zusammenhang mit Opferzahlen in Auschwitz von Lügen sprach. Dass
dieses Treffen genau am Jahrestag der Reichskristallnacht, dem Beginn der
Judenverfolgung, stattfand, sei reiner Zufall, so Latussek.
12.11.2001
Nach Vorwürfen der Verharmlosung von
NS-Verbrechen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Thüringer Landeschef
des Bundes der Vertriebenen, Latussek. Ein Sprecher begründete die Einleitung
des Verfahrens mit dem Verdacht auf Volksverhetzung. Für das Leugnen, Billigen
oder Verharmlosen von Völkermord des Nazi-Regimes sehe das Strafrecht
Geldstrafen oder bis zu fünf Jahre Haft vor.
(Quelle: MDR)
15.11.2001
Die TU Ilmenau widerruft einen Lehrauftrag. Personaldezernent Dreffke erklärte,
die Hochschule widerrufe mit sofortiger Wirkung den Lehrauftrag für Latussek,
der bisher an der Fakultät Elektrotechnik / Informationstechnik tätig war.
"Wir wollen das Ansehen der Universität nicht beschädigen und den ganzen
Trubel beenden", so Dreffke. Hochschul-Sprecher Nax sagte MDR ONLINE, das
reguläre Arbeitsverhältnis mit Latussek sei bereits 1999 beendet und in einen
Lehrauftrag umgewandelt worden. Latussek halte auch keine Vorlesungen oder
Seminare, sondern betreue ein Praktikum.
(Quelle: MDR) 19.11.2001
Latussek tritt aus dem Vertriebenenbeirat beim Bundesinnenministerium zurück.
29.11.2001
Eine außerordentliche Bundesversammlung des BdV in Berlin entschied, Latussek
ab sofort seines Amtes als Vizepräsident zu entheben. Die BdV-Präsidentin
Steinbach warf Latussek verbandsschädigendes Verhalten vor. "Sie haben mit
Ihren Aussagen und den nachfolgenden Erklärungen dem Bund der Vertriebenen und
seinen Mitgliedsverbänden erheblichen Schaden zugefügt, und das leider nicht
zum ersten Mal", so Steinbach. Es gehe nicht um eine juristische Wertung,
sondern um die Ehre, das Ansehen und die Reputation des Verbandes. Einziger
Tagesordnungspunkt der Berliner Versammlung war die Abberufung des 65-Jährigen.
(Quelle: MDR)
08.12.2001
Nach größer werdenden Druck lässt Latussek sein Amt als Landes-Chef des BdV
ruhen, tritt allerdings nicht zurück. 12.12.2001
Nachdem am Vortag Gelder für den BdV eingefroren wurden, trat Latussek von
seinem letzten Amt, dem Landesvorsitz des BdV Thüringen, zurück.
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