Ilmenauer Motorsportgeschichte
Das legendäre Gabelbachrennen
Zeitraum: 1913 - 1934
Streckenlänge: 3,3 bzw. 4 km
Steigung: Ø 9%, max. 16%
Start: Waldstraße bzw. Bahnhof Bad
Ziel: Hotel Gabelbach
Streckenrekord: 2:07,4 min (4km), M. von Brauchitsch

Hier tobten einst erbitterte Motorsportschlachten, hier war der Platz für wahre Helden. Paul Pietsch z. B. brach sich bei einem schweren Unfall am Gabelbach sechsfach den Oberschenkel. Zwei Monate später beim Feldbergrennen schleppte er sich mit zwei Krücken an sein Auto, musste reingehoben werden und gewann das Rennen.

Neben dem Klausenrennen, dem mit 21 km längsten Bergrennen der Welt, gehörte die Ilmenauer Piste zu den berühmtesten Rennstrecken dieser Zeit.
Entdeckt wurde sie 1913 durch Carl Slevogt von den Apoldaer Apollo-Werken auf einer seiner zahlreichen Erkundungsfahrten. Noch im selben Jahr organisierte er eine "Benzinverbrauchsmessfahrt".
Trotzdem dauerte es noch weitere 8 Jahre, bis 1921 das zweite Rennen am Gabelbach stattfand. Von da an ging es jedoch nicht nur mit der Streckenführung, sondern auch mit dem internationalen Zuspruch steil bergauf. Alle waren sie am Start, die Idole ihrer Zeit: Rudolf  "Caratsch" Caracciola, Huldreich Heusser, Manfred v. Brauchitsch, Hans Stuck u.v.a.

Zum 80jährigem Bestehen der Rennstrecke gründete sich 1993 der Freundeskreis Gabelbachbergrennen und organisierte eine Neuauflage des Klassikers. 1994 wurde noch eine weitere Veranstaltung durchgeführt. Obwohl die Rennen bei Zuschauern und Beteiligten sehr gut ankamen, wurde die neue Rennserie auf Grund verschiedener Probleme vorerst wieder eingestellt. 

Idole auf dem Gabelbach

Bernd Rosemeyer
(1909-1938), größtes Motorsporttalent der 30er Jahre, fuhr anfangs Motorradrennen, stieg 1935 auf das Auto um und erkämpfte für Auto-Union insgesamt 10 Siege in 44 Rundstreckenrennen, 2 Siege in 3 Bergrennen und 21 internationale Geschwindigkeitsrekorde, davon 4 Weltrekorde. Bei seinem letzten Welt- rekordversuch 1938 auf der Autobahn Frankfurt -Darmstadt trug ihn bei 440 km/h eine Windböe von der Fahrbahn. Bernd Rosemeyer war sofort tot.

Rudolf Caracciola (1901-1959), der erfolgreichste Rennfahrer der 20er und 30er Jahre, 6facher Sieger des GP von Deutschland

Manfred v. Brauchitsch (*1905),
siegte 1937 beim GP von Monaco und 1938 beim GP von Frankreich, soll 1934 auf dem Nürburgring mit seiner Aussage "Jetzt sind wir die Lackierten" den Mythos Silberpfeil erschaffen haben, als wegen Übergewichtes des Wagens ein Startverbot drohte. Man entfernte den Lack, v. Brauchitsch durfte starten und gewann.

Huldreich Heusser (Foto links, 1928 beim Gabelbach- rennen) lebte in Kleinschmalkalden, war als Privatfahrer einer der besten Rennsportler der 20er Jahre, gewann vier mal das Gabelbach- Rennen; tödlicher Unfall 1928 auf dem Buckower Dreieck, ihm zu Ehren wurde der Gedenkstein am Gabelbach errichtet
Motorsport in der Gegenwart
Wolfgang Wöhner konnte in den 70er und 80er Jahren erfolgreich die Dominanz des sächsischen Motorsports in der DDR brechen. 1980-85 fuhr Wolfgang Wöhner in der DDR-Nationalmannschaft um Punkte in der Klasse E-1300, der ost- europäischen Formel 1. Nach dem Rückzug aus dem Motorsport fährt Wöhner jetzt wieder Rennen auf einem russischen Rennwagen der Marke "Estonia"

W. Wöhner ist ein hervorragender Kenner der Ilmenauer Motorsportgeschichte, die Fotos stammen aus seiner Sammlung.