Willi Botz
20.01.1903 - 23.09.2001

Ehrenbürger der Stadt Ilmenau

Ein Nachruf von Bernd Frankenberger

Sein Wirken für Ilmenau wird uns unvergessen bleiben

Am Sonntag verstarb fast 99-jährig im Katholischen Krankenhaus zu Erfurt, in den Armen seiner Tochter Jutta, unser Freund und Ehrenbürger der Stadt, Willi Botz.
Mit ihm ist ein Stück Ilmenauer Kulturgeschichte von uns gegangen. Steht doch der Name des Verstorbenen für jahrzehntelanges Wirken in der Ilmenauer Kultur und Bildung, des Kulturbundes und der Heimatgeschichte.


Willi Botz (Mitte) mit Bernd Frankenberger (li.) und Volker Apel bei einer Buchpräsentation

Als zweites Kind seiner Eltern wurde Willi Botz am 20.01.1903 in Ilmenau geboren. Gern hätte er bei seinen Fähigkeiten eine höhere Schulbildung genossen, aber die wirtschaftliche Lage seiner Eltern erlaubte dies jedoch nicht, so wie bei vielen anderen Arbeiterkindern seiner Zeit.
Zusammen mit seinem Schulfreund Fritz Barth erlernte er den Beruf eines „Schwarzkünstlers“, er wurde Schriftsetzer. In jenen Jahren, der Zeit des ersten Weltkrieges, fand Willi Botz Zugang zur sozialdemokratisch orientierten Arbeiterbewegung. Hier traf er mit seinen Freunden F. Barth, K. Werner, O. Hößrich, H. Fischer, K. Hartmann, W. Votz u.v.a. zusammen. Gleiche Anschauungen förderten eine jahrzehntelange, ja lebenslange Freund- und Kameradschaft.
Mit dem Besuch von Abendkursen der Volkshochschule und Lehrgängen des sozialdemokratischen Bildungswerkes verschaffte er sich ein enormes Wissen. Willi Botz verkörperte in seiner Person beste sozialdemokratische Bildungstradition.

Nebenbei veröffentlichte er Beiträge für die „Tribüne“ in Erfurt, die Zeitung der Thüringer Sozialdemokraten. Vorsitzender war er in der Gewerkschaft der Angestellten. Er hat sie alle noch persönlich gekannt, die ergrauten Väter der Ilmenauer Sozialdemokratie. Namen wie A. Pulvers, C. Hauwede, R. Schippe, P. Clauss (Schwiegervater von Willi Botz) mögen hierfür stehen.
1932 zog er als jüngster SPD-Abgeordneter in den Ilmenauer Stadtrat und sein Freund und Genosse F. Barth in den Thüringer Landtag ein. Hier verblieb er bis zum Verbot der SPD 1933.
Arbeitslos geworden, fand Botz durch Vermittlung Anstellung in einer renommierten Ilmenauer Porzellanfabrik. Während des zweiten Weltkrieges wurde er zum Luftwarndienst auf dem Kickelhahn dienstverpflichtet, später kam er in Holland zum Einsatz. Sofort nach Kriegsende schloss sich Willi Botz der neu gegründeten SPD an. Auf das Vielfältigste widmete er sich dem kulturellen Neuanfang in Ilmenau. Willi Botz wusste nicht nur die Jugend zu begeistern. Selbst die jährlich veranstalteten und von ihm mit Weihesprüchen verfassten Sonnenwendfeiern sind mehr als nur Rituale gewesen, sie förderten Zusammenhalt und Kameradschaft.
Die Arbeit mit der Jugend war ihm sehr wichtig. Diese Arbeitsgemeinschaften wurden für viele zeitlebens prägend. Der Heimatgedanke wurde im positiven Sinne bewahrt und am Geschick unserer Stadt Ilmenau nahm und nimmt man auch im Alter großen Anteil.
Da Willi Botz auch dichterisch wie schriftstellerisch tätig war, wurden 1949 achtzehn junge Schriftsteller zum Gabelbach eingeladen und begrüßt. Namen wie H.-G. Stengel, F. Hammer, H. Thürk, B. Pludra u.a. sind nicht in Vergessenheit geraten. Hier sei nur am Rande vermerkt, dass die Aktivitäten der Kulturbundleute, insbesondere in der Person von Willi Botz, beobachtet und beargwöhnt wurden. Selbsternannte Schiedsrichter und Besserwisser versuchten deren Arbeit zu diskreditieren, zumindest zu Anfang der fünfziger Jahre.
Diese Auseinandersetzungen gipfelten in einem ganzseitigen Beitrag im „Neuen Deutschland“. Allerdings wusste man „höheren Ortes“ wohl deren ehrenamtliche aufopferungsvolle Tätigkeiten zu würdigen. (ND vom 10.5.1953, „Die Siedlung am Ilmfluss“ von B. Pludra)
Verstanden es doch die Mitstreiter um Botz, getreu ihres Herkommens, das kulturelle Erbe, den einfachen, den bisher kulturell nicht interessierten Menschen zu vermitteln, gar zu begeistern. Getreu dem Motto „Die Kultur gehört dem Volke“.
1946 wurde die Volkshochschule neu gegründet. Willi Botz war Mitbegründer und Dozent, später auch ihr jahrzehntelanger Direktor. Ebenfalls war er Mitbegründer des Ilmenauer Kulturbundes und viele Jahre dessen Vorsitzender.
Dem Kulturbund unterstand in diesen Jahren der Kickelhahn-Aussichtsturm und die Bewirtschaftung. Hier erwarb sich Willi Botz große Verdienste um den Erhalt des Turmes, des Goethehäuschens und der Turmbaude. Mit dessen Betreiber, Forstrat K. Brommer, verband ihn eine echte Freundschaft.
Mit J. W. von Goethe war Willi Botz sein Leben lang geistig verbunden. Kein Wunder, dass er zu den Initiatoren und Gestaltern des Goethejahres 1949 gehörte. In diesem Jahr wurde die Goethe-Gedenkstätte im Amtshaus eingeweiht. 1963 gründete sich auf Initiative von Willi Botz die Museumskommission, deren Arbeit 1967 in der neugestalteten Goethe-Gedenkstätte ihre Erfüllung fand. Als Mitbegründer der Ilmenauer Goethegesellschaft, deren stellvertretender Vorsitzender er wurde, hat er sich durch die Schaffung des Goethe-Wanderweges bleibende Verdienste erworben.
Ein bleibender Beitrag, nicht nur für die Ilmenauer Heimatgeschichte, ist seine Arbeit „Goethes soziales Wirken in Ilmenau“, verfasst 1956 und nachzulesen in dem Buch „Bilder einer Stadt“. Ebenso von den Heimatfreunden auch heute noch gern geschätzt sind die Ausgaben der „Ilmenauer Blätter“. Herausgeber war der Kulturbund und das Dreigespann Botz, Barth und Werner. Die staatlich verordnete Einstellung der Hefte war eine schwere Enttäuschung für die Herausgeber!
Man könnte noch viele Aktivitäten aus dem Leben von Willi Botz aufführen. So war er u.a. Mitglied der Gartenanlage „Sonnenbad“ an der Sturmheide und deren Förderer. Als naturverbundener Mann lebte er nach der Regel „Licht, Luft, Sonne“, einer Maxime der Naturfreunde, deren Mitglied Willi Botz in den zwanziger Jahren ebenso war.
Kein Wunder, dass dem rastlos tätigen Manne viele Ehrungen zuteil wurden. Die wohl höchste Auszeichnung und Würdigung seines Lebenswerkes bildet die Ehrenbürgerschaft der Stadt, die höchste Auszeichnung bzw. Ehrung, die unsere Stadt zu vergeben hat. Ebenso wurde ihm vom Heimatgeschichtlichen Verein e.V., dessen Mitbegründer er war, er besaß die Mitgliedskarte Nummer 1, die Ehrenmitgliedschaft angetragen.
So gedenken wir eines beispielhaften Wegbegleiters und trauern um einen lieben freund, der sich seiner Heimatstadt Ilmenau und deren Bürgern verpflichtet fühlte. Am 06.10. werden wir ihm die letzte Ehre erweisen und ihn in unserer Erinnerung bleibend bewahren.